„Darf Kirche politisch sein?“ - Zum Öffentlichkeitsauftrag der Kirche und ihrer Mitverantwortung für das Gemeinwesen
- In der Bachelorarbeit wurde sich mit der Leitfrage „Inwiefern sollte die evangelische Kirche ihre christliche Sichtweise in politische Diskurse einbringen und wie wird sie dabei ihrem Auftrag sowie ihrer Mitverantwortung für das Gemeinwesen gerecht?“ auseinandergesetzt. Dafür wurde sich tiefgehend mit der Literatur beschäftigt und die Debatte nach der Rechtmäßigkeit kirchlicher Stellungnahmen anhand zweier kirchlicher Texte exemplarisch analysiert. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Kirche als Teil der geschöpflichen Welt grundsätzlich dazu verpflichtet ist, sich öffentlich zu äußern. Jedoch darf damit nicht verstanden werden, dass die Kirche ein Recht hat zu jeder Thematik ihre Position beizusteuern. Stattdessen geht es eher darum, ihre Aufgabe als sozialanwaltschaftliche Akteurin sinnvoll für die Belange der Menschen einzusetzen sowie im Sinne eines ethischen Mandates und mithilfe ihrer christlichen Werte und ihrem Verständnis von Gott und der Welt mutig für strukturelle Veränderungen in der Gesellschaft einzutreten. Ihrem Auftrag kommt sie dabei insofern nach, als dass sie all ihr Tun und Sprechen konkret an der christlichen Botschaft und Gott ausrichtet, ihr eigenes Handeln sowie ihre gesellschaftliche Relevanz regelmäßig selbstkritisch hinterfragt und für Gespräche mit allen Seiten offen bleibt. Die Tendenz zur Generierung von Aufmerksamkeit die eigenen Aussagen zu moralisieren und sich damit in der heutigen journalistischen Sprache aufzulösen muss dabei als kritisch angesehen werden. Die Kirche lebt als Geschöpf des Wortes vom Austausch und muss sich innerhalb einer Gesellschaft dafür einsetzen, dass Gespräche mit allen Seiten möglich bleiben, um demokratische Strukturen zu fördern. Somit hat sie weniger die Aufgabe Politik konkret zu lenken als viel mehr demokratische Strukturen, durch ihre Sichtweise auf die Welt, mitzugestalten. In Zukunft wird dies die Kirche vermehrt herausfordern, da sie, durch den Kirchenmitgliederschwund, mit einer mangelnden Anerkennung in der Gesellschaft umgehen muss und dadurch vermutlich gezwungen sein wird, zuerst ihre Relevanz zu begründen, bevor sie einen inhaltlichen Beitrag leisten kann. Dies bestärkt allerdings nur die Notwendigkeit sich von Moralisierungen fernzuhalten, um glaubwürdig und relevant zu bleiben. Konkret hat die Textanalyse gezeigt: Während sich das Wort des Rates der EKD „Christliche Perspektiven für unser gesellschaftliches und politisches Miteinander“ aus dem Jahr 2025 eher allgemeinkritisch gegenüber Populismus und Menschenfeindlichkeit äußert und damit zu demokratischem Verhalten aufruft, positioniert sich die Gemeinsame Erklärung „Menschenwürde – Nächstenliebe – Zusammenhalt. Wir stehen dazu!“ der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen und der Bremischen Evangelischen Kirche aus dem Jahr 2026 eindeutig gegen die AfD als demokratiefeindliche Partei und betont, dass diese mit christlichen Werten nicht gewählt werden kann. Grundsätzlich halten sich beide Texte an ihre formal vorgegebene Ausrichtung, jedoch wird auch deutlich, dass die notwendige theologische Fundierung abnimmt, je persönlicher und damit auch positionierender der Text ist.
| Author: | Sophie Amélie Paulig |
|---|---|
| URN: | urn:nbn:de:bsz:960-opus4-39568 |
| DOI: | https://doi.org/10.25968/opus-3956 |
| Advisor: | Alexander DietzORCiDGND, Verena BegemannGND |
| Document Type: | Bachelor Thesis |
| Language: | German |
| Year of Completion: | 2026 |
| Publishing Institution: | Hochschule Hannover |
| Granting Institution: | Hochschule Hannover, Fakultät V - Diakonie, Gesundheit und Soziales |
| Date of final exam: | 2026/06/05 |
| Release Date: | 2026/07/14 |
| Tag: | Kirche; politisch; Öffentliche Theologie |
| GND Keyword: | Evangelische KircheGND; Politische KommunikationGND; Öffentlicher AuftragGND; GemeinwesenGND |
| Page Number: | 68 |
| Link to catalogue: | 1978791046 |
| Institutes: | Fakultät V - Diakonie, Gesundheit und Soziales |
| DDC classes: | 200 Religion |
| Licence (German): | Creative Commons - CC BY - Namensnennung 4.0 International |






