Autismus-Spektrum und Geschlecht; Weiblich aber nicht „typisch autistisch“? - Einfluss von Geschlecht auf die Wahrnehmung und Diagnosestellung des Autismus-Spektrums
- „Als Minderheit einer Minderheit sind Mädchen und Frauen mit Autismus doppelt benachteiligt.“, besonders Frauen im Autismus-Spektrum ohne intellektuelle Beeinträchtigungen werden oft spät-, unter-, oder fehldiagnostiziert. Das aktuelle Diagnoseverhältnis zwischen Männern und Frauen liegt bei 4–5:1, unter anderem könnte dies am diagnostischen und gesellschaftlichen Verständnis des „typisch autistischen“ Menschen liegen, welches noch immer stark von männlichen Verhaltensmustern geprägt wird. Diese Entstehung einer diagnostischen Verzerrung hat erhebliche Konsequenzen für die Früherkennung, Diagnostik und heilpädagogische Intervention. Die Folgen ein Unter-, Spät- oder Fehldiagnose können schwerwiegend sein, denn es kann zu psychosozialen Belastungen, Selbstwertproblemen und erschwerter Teilhabe führen. Dies kann sich dann wiederrum auf die psychische Gesundheit, soziale Integration und Identitätsentwicklung auswirken. Es wird davon ausgegangen, dass die Symptome bei Frauen im Autismus-Spektrum sich weniger auffällig manifestieren, was unter anderem auf geschlechtsspezifische Sozialisationsprozesse und Kompensation durch Anpassungsstrategien wie das sogenannte „Masking – Camouflaging“ zurückgeführt wird. Durch soziale Erwartungen bzw. Geschlechterstereotype wird die Wahrnehmung als auch die diagnostische Einschätzung von Verhaltensweisen beeinflusst, wodurch autistische Frauen weniger stereotype Verhaltensweisen aufzeigen. Für die Heilpädagogik ist dieses Thema von besonderer Relevanz, da heilpädagogische Fachkräfte zunehmend Menschen im Autismus-Spektrum in unterschiedlichen Lebens- und Unterstützungskontexten begegnen. Eine Sensibilisierung für geschlechtsspezifische Unterschiede trägt dazu bei, Fehlinterpretationen zu vermeiden, individuelle Ressourcen besser zu erkennen und passgenaue Förder- und Interventionsansätze zu entwickeln. Damit leistet die Auseinandersetzung mit dem Einfluss von Geschlecht auf Wahrnehmung und Diagnosestellung des Autismus-Spektrums einen wesentlichen Beitrag zur inklusiven und diversitätssensiblen Praxis der Heilpädagogik. Außerdem unterstützt eine geschlechtersensible Sichtweise die Intention der Heilpädagogik individuelle Unterschiede anzuerkennen und Barrieren abzubauen. Daraus ergibt sich die zentrale Forschungsfrage: „Inwieweit hat das Geschlecht Einfluss auf die Diagnosestellung des Autismus-Spektrums und warum werden Frauen und Mädchen seltener mit dem Autismus-Spektrum diagnostiziert?“ Diese Arbeit verfolgt das Ziel ein tieferes Verständnis für die Herausforderungen der Diagnostik des Autismus-Spektrums bei Frauen zu schaffen. Ebenso soll zur wissenschaftlichen Diskussion über Inklusion und Geschlechtergerechtigkeit in der Diagnostik und pädagogischen Praxis beigetragen werden und zu Impulsen für praktische Verbesserungen in der Diagnostik angeregt werden.
| Author: | Tabea Heselmann |
|---|---|
| URN: | urn:nbn:de:bsz:960-opus4-39314 |
| DOI: | https://doi.org/10.25968/opus-3931 |
| Advisor: | Dorothee MeyerORCiDGND, Ulrike ErnstGND |
| Document Type: | Bachelor Thesis |
| Language: | German |
| Year of Completion: | 2025 |
| Publishing Institution: | Hochschule Hannover |
| Granting Institution: | Hochschule Hannover, Fakultät V - Diakonie, Gesundheit und Soziales |
| Date of final exam: | 2025/12/30 |
| Release Date: | 2026/06/12 |
| GND Keyword: | AutismusGND; FrauGND; MädchenGND; GeschlechterstereotypGND; DiagnoseGND; GeschlechtGND |
| Page Number: | 77 |
| Link to catalogue: | 1976551641 |
| Institutes: | Fakultät V - Diakonie, Gesundheit und Soziales |
| DDC classes: | 370 Erziehung, Schul- und Bildungswesen |
| Licence (German): | Creative Commons - CC BY - Namensnennung 4.0 International |






