Stellenabbau im Pflegedienst der Krankenhäuser. Eine Analyse der Entwicklung zwischen 1991 und 2005

Downsizing of nursing staff in german hospitals. An analysis of the development between 1991 and 2005

Hintergrund: Seit Mitte der 1990er Jahre findet ein Stellenabbau in Krankenhäusern statt, von dem insbesondere auch der Pflegedienst betroffen ist. Obwohl die Tatsache seit längerem bekannt ist, fehlt es noch an einer gründlichen Analyse und Aufbereitung der verfügbaren Daten, um sich ein fundiertes Bild über den Umfang, die Entwicklung, Ursachen und Auswirkungen machen zu können. Methoden: Primäre Datengrundlage sind die Daten der Krankenhausstatistik sowie der Gesundheitsausgabenrechnung des Statistisches Bundesamtes. Ergebnisse: Die Analyse führt zu dem Ergebnis, dass zwischen 1995 und 2005 insgesamt ca. 104.000 Vollzeitstellen für nicht-ärztliches Personal in Allgemeinkrankenhäusern abgebaut wurden. Der ärztliche Dienst wurde hingegen um ca. 19.000 Vollkräfte ausgebaut. Im Saldo ergibt dies einen Gesamtstellenabbau von ca. 85.000 Vollkräften. Der größte Teil des Stellenabbaus entfiel mit ca. 44.000 Vollzeitstellen auf den Pflegedienst. Im Jahr 2005 lag die Zahl der Vollkräfte im Pflegedienst der Allgemeinkrankenhäuser um 13,7 % unter dem Wert des Jahres 1995 und sogar noch unter dem Wert des Jahres 1991, als über einen Pflegenotstand in Krankenhäusern gesellschaftlich diskutiert wurde. Eine Analyse der Kostendaten der Allgemeinkrankenhäuser zeigt, dass der Stellenabbau im Pflegedienst nicht allein durch die Budgetdeckelung und Einführung des DRG-Systems erklärt werden kann. Mehr als die Hälfte des Stellenabbaus wäre auf Grund der allgemeinen Budgetentwicklung nicht erforderlich gewesen, sondern erfolgte offenbar, um im Rahmen einer internen Umverteilung Mittel für andere Zwecke freizusetzen. Gewinner der internen Umverteilung war der ärztliche Dienst. Vor dem Hintergrund der Ergebnisse zahlreicher internationaler Studien muss davon ausgegangen werden, dass der Stellenabbau bereits negative Auswirkungen auf die Qualität der Patientenversorgung hat. Die Ergebnisse internationaler Forschung zu diesem Thema weisen darauf hin, dass eine niedrigere Personalbesetzung in Pflegedienst das Risiko erhöht, als Patient im Krankenhaus eine schwerwiegende Komplikation zu erleiden oder sogar zu versterben. Schlussfolgerungen: Es besteht dringender Handlungsbedarf, da sich die Personalbesetzung des Pflegedienstes in Allgemeinkrankenhäusern seit mehr als 10 Jahren in einer Abwärtsspirale befindet und mit weiterem Stellenabbau zu rechnen ist.
Background: Since the mid of the 1990s a downsizing has taken place in german hospitals by which the nursing care service particularly is concerned. The fact is known, however, there is a lack of a thorough processing of the available data till now to be able to get an idea on the scale, the causes and consequences of this downsizing. Methods: The analysis is based on the data of the hospital statistics as well as the health expenditure account of the Federal Office of Statistics. Results: The analysis leads to the fact that 104,000 fulltime equivalents for non-medical staff in general hospitals were reduced between 1995 and 2005. The medical service was extended by 19,000 fulltime equivalents. This yields a complete downsizing of approx. 85,000 fulltime equivalents in the balance. The largest portion of the downsizing was accounted to the nursing staff with approx. 44,000 fulltime equivalents. In the year 2005 the number of the fulltime equivalents was amounted at 13.7% below the value of the year 1995. An analysis of the cost data of the general hospitals shows that the downsizing cannot be explained by the political limitations of the budgets and introduction of the DRG system alone. More than half of the downsizing would not have been required due to the budget limitations but was apparently carried out for other purposes in the context of an internal redistribution. Winner of the internal redistribution was the medical service. Against the background of the results of numerous international studies it has to be assumed that the downsizing already has negative effects on the quality of patient care. The results of international research to this topic point out that a decreasing nurse-to-patient ratio increases the risk of suffering from a serious complication or even dying in hospital. Conclusions: There is urgent need for action since the staff occupation of the nursing care service is in a downward spiral in general hospitals for more than 10 years and the downsizing is going on currently.

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Metadaten
Author:Michael Simon
URN:urn:nbn:de:bsz:960-opus-1031
Series (Serial Number):efh-papers (07-001)
Document Type:Working Paper
Language:German
Year of Completion:2007
Release Date:2008/07/09
Tag:downsizing; germany; hospital; nurse-to-patient ratio; nursing staff
SWD-Keyword:Krankenhauspersonal; PIK <Programm>; Personalabbau
To order the print edition:599719257
Institutes:Fakultät V - Diakonie, Gesundheit und Soziales
Dewey Decimal Classification:300 Sozialwissenschaften